Sind Alkohol, Kiffen oder Computerspiele ein Thema in Ihrer Familie? Machen Sie sich Sorgen, dass Ihr Kind eine Sucht entwickeln könnte und würden gerne wissen, wie Sie am besten mit ihm umgehen sollen?
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Stephanie Eckhardt: Alkohol ist ein Zellgift, das bereits in kleinen Mengen schädliche Auswirkungen auf den Körper haben kann. Er belastet die Leber, schädigt das Gehirn, erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten, darunter Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und natürlich kann Alkoholkonsum auch zu einer Abhängigkeit führen.
Für Kinder und Jugendliche ist Alkohol besonders riskant, weil ihr Körper noch in der Entwicklung ist und das Gehirn noch nicht ausgereift ist. Alkohol kann diese Entwicklung stören, was zu langfristigen Problemen bei der Konzentration, dem Lernen und der emotionalen Steuerung führen kann. Je früher Kinder und Jugendliche anfangen, Alkohol zu trinken, desto schlechter ist das für ihre weitere Entwicklung.
Viele Eltern denken, dass Alkohol erst dann ein Thema wird, wenn Jugendliche selbst anfangen, zu trinken. Doch tatsächlich beginnt die Prägung schon viel früher. Schon im Grundschulalter beobachten Kinder genau, wie Erwachsene mit Alkohol umgehen, und übernehmen unbewusst Werte und Verhaltensweisen. Frühzeitige Aufklärung schon im Kindesalter schafft eine wichtige Grundlage, damit Jugendliche später informierte und verantwortungsvolle Entscheidungen treffen können. Werden Eltern erst in der Pubertät aktiv, prallen sie oft auf bereits gefestigte Einstellungen der Jugendlichen.
Bereits Kinder registrieren, dass Erwachsene bestimmte Getränke trinken, die sich von ihren eigenen unterscheiden. Dass es sich um eine psychoaktive Substanz handelt, können Sie nicht erkennen, aber sie nehmen die damit verbundenen Rituale und Emotionen durchaus schon wahr. Ab dem Grundschulalter beginnen sie, diese Beobachtungen einzuordnen und zu deuten. Sie lernen etwa, dass Alkohol bei Feiern oder nach einem anstrengenden Tag getrunken wird, und verbinden ihn mit bestimmten Stimmungen oder sozialen Situationen. Besonders prägend sind dabei die emotionalen Botschaften, die Kinder aufnehmen – etwa, dass Alkohol „belohnt“ oder zu einem gelungenen Fest „dazugehört“. Eltern können diese Fehleinschätzungen also befördern oder auch bewusst vermeiden.
Es gibt nach wie vor viele Mythen und Verharmlosungen, wenn es um Alkohol geht. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass ein Glas Wein oder Bier für die Gesundheit noch harmlos sei. Heute wissen wir, dass Alkohol grundsätzlich der Gesundheit schadet, auch in vermeintlich kleinen Mengen. Ein weiterer Mythos ist die Vorstellung, dass es besser sei, wenn Jugendliche zu Hause unter Aufsicht trinken, als heimlich mit Freundinnen oder Freunden. Studien zeigen jedoch, dass ein früher Einstieg in den Alkoholkonsum den Konsum normalisiert. Solche Verharmlosungen können dazu führen, dass Kinder und Jugendliche Alkohol als weniger gefährlich einschätzen und eher bereit sind, selbst zu experimentieren.
Wie stark die Vorbildrolle der Eltern ist, hängt vom Alter der Kinder ab. Kinder im Grundschulalter orientieren sich selbstverständlich noch ganz stark am Verhalten ihrer Eltern. Wenn Sie z. B. schon 16 Jahre alt sind, spielt die Peergruppe die stärkere Rolle. Aber das elterliche Trinkverhalten ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf den späteren Alkoholkonsum der Kinder. Besonders prägend ist, wie Eltern mit Alkohol umgehen: Wird er regelmäßig getrunken oder als Mittel zur Problembewältigung eingesetzt? Dann kann es passieren, dass Kinder diese Muster unbewusst übernehmen. Eltern sollten daher bewusst darauf achten, nicht zu viel zu trinken. Eltern können auch Alternativen vorleben, also etwa immer auch leckere alkoholfreie Getränke bei Feiern anbieten. Wichtig ist, dass Kinder erleben, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann.
Schon Grundschulkindern kann man die Risiken des Alkoholkonsums altersgerecht erklären, indem einfache und klare Botschaften verwendet werden. Das Jugendschutzgesetz ist beispielweise ganz klar, darauf können sich Eltern beziehen. Statt mit Angst zu arbeiten, sollte man außerdem sachlich erklären, dass Alkohol giftig ist, ähnlich wie bestimmte Medikamente oder Reinigungsmittel, besonders für Kinder, da der Körper von Kindern viel empfindlicher ist. So wird Alkohol nicht als etwas Reizvolles dargestellt, sondern als etwas, das einfach nicht für Kinder geeignet ist.
Auf typische Kinderfragen wie „Warum trinkst du das?“ sollten sich Eltern ruhig gedanklich vorbereiten, diese Fragen ernst nehmen und sachlich beantworten. Etwa: „Manche Erwachsene trinken ab und zu Alkohol, obwohl es eigentlich nicht gesund ist. Ich passe ganz bewusst auf, dass ich nur selten und nicht zu viel trinke.“ Und auf „Schmeckt das gut?“ kann man antworten: „Manche mögen den Geschmack, aber es ist kein Getränk wie Saft. Es kann krank machen, wenn man zu viel davon trinkt.“ Wichtig ist, für sich selbst diese Frage nach den Konsumgründen ehrlich beantworten zu können.
Die Familie spielt eine entscheidende Rolle als Schutzfaktor. Damit ist die starke Eltern-Kind-Bindung gemeint, also eine vertrauensvolle Beziehung, eine offene Kommunikation und auch klare Regeln. Damit ist aber auch das elterliche Vorbildverhalten gemeint, am besten mit einer deutlich kritischen Haltung gegenüber Alkoholkonsum. Und auch ein gesunder Lebensstil in der Familie wirkt sich positiv aus.
Zweitens sind soziale Kompetenzen und Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen ein Schutzfaktor. Mit Gruppendruck umgehen zu können, selbstbewusst „Nein“ zu sagen, und Alternativen zum Alkoholkonsum im Alltag zu erleben – also viele Hobbys und Interessen, Aktivitäten im Sportverein usw. – können den Einstieg in den Konsum verzögern.
Bei Jugendlichen können nachlassende Schulleistungen, Rückzug aus dem Freundeskreis sowie natürlich der wiederholte Konsum Warnsignale sein, die auf einen beginnenden problematischen Alkoholkonsum hinweisen. Auch bei einem Freundeskreis, in dem Alkohol eine große Rolle spielt, sollten Eltern aufmerksam werden. Wenn das Kind beginnt, mehrfach Alkohol zu trinken, sollten Eltern mit ihm über seine Gründe und seine Erfahrungen sprechen. Eltern können dabei ihre eigenen Ängste und Sorgen offen darlegen. Wichtig ist, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben – auch, wenn es schwierig ist.
Digitale Elternberatung zum Thema Sucht
Angebote für Kinder aus Suchtfamilien
Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche leben zusammen mit einem suchtbelasteten Elternteil, 2,65 Millionen davon mit alkoholabhängigen Elternteilen. Der Verein NACOA möchte diese Kinder und Jugendlichen dabei unterstützen, sich zu gesunden, reifen, lebenstüchtigen Erwachsenen zu entwickeln und bietet dafür niedrigschwellige und kostenlose Hilfen an, z.B.
- Telefonberatung unter 030/35122429
- Online-Beratung, www.nacoa.de
Aufwachsen in einer suchtbelasteten Familie prägt oft für das ganze Leben. Deshalb gibt es auch Angebote für erwachsene Kinder alkoholabhängiger Eltern.
Außerdem können sich Menschen an NACOA wenden, in deren familiärem Umfeld, Nachbarschaft oder Bekanntenkreis betroffene Kinder leben, um sich über Möglichkeiten der Unterstützung zu informieren.
Kenn Dein Limit
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bietet auf der Website „Kenn Dein Limit“ viele hilfreiche Informationen, Tipps und Unterstützung für einen bewussten Alkoholkonsum.
Besonders interessant sind die Selbsttests, z. B. der Alkohol-Selbsttest, Promillerechner oder Motivationstest. Für alle, die sich noch intensiver mit ihrem Alkoholkonsum auseinandersetzen möchten, gibt es kostenlos ein Trink-Tagebuch, um mehr über Trinkmengen und -motivation zu erfahren.